Sonntag, 11. Oktober 2015

Selbstständig. Erwachsen.


Ich wollte immer groß sein. Selbstständig. Erwachsen.
An meinem 15. Geburtstag wollte ich unbedingt 16 werden, an meinem 16. dann so schnell wie möglich 18. Vielleicht liegt das daran, dass ich immer das Küken war in meiner Klasse. Vielleicht geht es aber auch vielen so.
An meinem 18. Geburtstag wurde mir dann auf einmal bewusst, dass ich mich ab sofort um einiges selber kümmern muss. Arzt, Auto, Bank - all' das waren nun nicht mehr die Aufgaben meiner Mutter. Natürlich hat sie mich weiterhin unterstützt, aber eben immer weniger.
Viele sagen, dass man sich abnabeln muss um selbstständig zu werden. Dass dies ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung ist. Aber muss das wirklich schon mit 18 sein? In meinem (eher älteren) Freundeskreis gibt es wenige, die bereits ausgezogen sind. Eigentlich nur einen - und der ist mindestens 2 Wochenenden im Monat zu Hause.
Bei 300 Kilometern ist das schwierig regelmäßig nach Hause zu fahren.. Machbar, aber eigentlich nicht besonders klug. Und das möchte ich auch nicht. Ich vermisse meine Mutter, meine Freunde und meinen Freund. Aber ich will es mir selbst beweisen. Mir selbst und der ganzen Welt.
Menschen haben schon so schwierige Aufgaben gemeistert, da werde ich es auch schaffen für 3 Jahre hier zu wohnen. Auf mich allein gestellt. Selbstständig. Erwachsen.
In ein paar Monaten werde ich mich an die Stille gewöhnt haben. Kein Bruder, der bis Nachts Klavier spielt. Kein Kater, der laut maunzt, weil er eine weitere Portion Futter möchte. Keine Mutter, die mit einer Tasse Tee vor der Zimmertür steht.
Aber es gibt Bücher, Musik, Filme, diesen Blog. Mein Studium und bald auch neue Freunde.
In drei Jahren will ich auf diese Zeit zurück blicken und sagen, dass es toll war. Und viel zu schnell umgegangen ist.

Mein Zahnarzt sagte vor kurzem zu mir, dass das Studium nicht nur deswegen wichtig ist, weil es der Grundstein für die berufliche Zukunft legt. Diese Zeit sei ebenso wichtig für die Entwicklung des Charakters, fürs gute Erinnerungen, für Spaß. Das ist die Zeit, auf die man glücklich zurück schauen wird. Also wovor habe ich eigentlich solche Angst?
Morgen geht es für mich los. Und noch bin ich auch ziemlich nervös, aber ich glaube daran, dass sich das bald ändern wird. Schließlich bin ich doch schon groß.

Wohnt ihr noch zu Hause?

Einen schönen Rest-Sonntag ihr Lieben.
Sarah 

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