Montag, 27. April 2015

Tschüss Schule, Hallo große weite Welt


Schule.
Bald ist es bei mir vorbei. 13 Jahre. Das ist eine lange Zeit.
Zurück blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Ich habe mich mit einigen anderen Leuten unterhalten. Ein paar meinten, dass ihnen zu dem Thema Schule eigentlich nur Negatives einfällt. Ist das wirklich so? Verbinden wir mit Schule nur Negatives?
Ich muss zugeben… ich nicht! Vielleicht bin ich da zu gefühlsduselig, aber irgendwie empfinde ich meine Schulzeit nicht als verschwendete Zeit. Das liegt allerdings weniger daran, dass ich den Unterricht immer so spannend fand oder immer alles fair zuging. Aber die Menschen, das drum herum. Das war besonders.
An meine Grundschulzeit erinnere ich mich nicht mehr so ganz genau, einiges ist verschwommen. Aber da bin ich eigentlich gerne zur Schule gegangen. Mir hat damals Lernen meistens Spaß gemacht und in den Pausen durfte man dann immer mit seinen Freunden spielen. Also eigentlich perfekt? Naja, natürlich gibt es da auch ein paar vereinzelte negative Erinnerungen. Aber es gäbe schließlich keinen Regenbogen ohne Regen, stimmts?
An die Mittelstufe dagegen erinnere ich mich, als war es gestern. Meine Klasse war toll (da hatte ich wirklich Glück!). Ich war wieder mit einem Großteil meiner Grundschulfreunde zusammen und wir hatten einen ziemlich guten Zusammenhalt. Natürlich gab es einige Zickereien – zu erwarten bei dreißig pubertären Jugendlichen – aber Mobbing zum Beispiel gab es nicht.
Mit vielen meiner damaligen Freunde bin ich heute noch befreundet – eine davon ist heute meine beste Freundin.
Wir hatten tolle Klassenfahrten, haben viel zusammen erlebt. Die erste große Liebe. Der erste Liebeskummer. Freundschaften. Partys. Alkohol. Grenzen austesten. Spaß. Glück.
Eine besondere Erinnerung ist meine Abschlussfahrt (9. Klasse). Wir waren in Rom und haben in hübschen kleinen Holzhütten gewohnt. Das Wetter war super und man hatte das Gefühl all seine Liebsten bei sich zu haben. Sorgenfrei.
Der Abschied, die Trennung danach hat wehgetan. Ich dachte für kurze Zeit, meine Welt würde zusammenbrechen. Doch auch wenn sich unsere Wege trennten, einige Freunde blieben. Die wichtigsten Freunde blieben.
Neue Schule. Neue Menschen. Neue Umgebung. Neuanfang.
Auch hier hatte ich 7 meiner alten Leute dabei, das war meine Sicherheit. Aber auf einmal stellten die Lehrer andere Ansprüche, es war wirklich eine Umstellung  von meiner kleinen Dorfschule, wo man die Lehrer beim Einkaufen im Edeka trifft, zu der Schule, wo es auf einmal um etwas ging. Um meine Zukunft. Kaum Lehrer interessierte es, ob man seine Hausaufgaben machte, aber tat man sie nicht, so spürte man das. Allerdings erst später.
Zum ersten Mal merkte ich, welchen Luxus ich vorher mit meinen Lehrern hatte. Zum ersten Mal bemerkte ich Rassismus in der Schule. Ein guter Freund von mir hat philippinische Wurzeln und plötzlich bekam er in einem Fach nur noch Minderleistungen. Ich war entsetzt. Sollten Lehrer nicht eigentlich Vorbilder sein? Kommt so etwas etwa häufiger vor?
In der 12. Klasse war ich dann auf einmal absolut überfordert. Ich dachte die Umstellung vorher sei mir schwer gefallen, aber auf einmal galt es. Es ging um meine Zukunft. Mathe LK. Das kam mir wirklich unmöglich vor.
Als ich dann krank wurde und die 12. Klasse wiederholen musste, fasste ich für mich den Entschluss es besser als beim ersten Mal zu machen. Bessere Noten zu schreiben. Ehrgeiz.
Und das gelang mir auch. Erst war ich enttäuscht, wenn ich einstellige Noten geschrieben hab, irgendwann wollte ich am liebsten nur noch 12 Punkte aufwärts. Ich habe mir selber Druck gemacht. Ziemlich viel Druck sogar. Doch all dieser Druck und all das Lernen haben sich ausgezahlt. Erfolge. 
In dieser Stufe habe ich mich allerdings phasenweise nicht so wohl gefühlt. Ich war unglücklich nicht mit meinen alten Freunden zusammen fertig zu werden.
Doch als ich bereit war, mich auf die anderen Leute einzulassen, fand ich auch hier ein paar tolle Leute. Meinen Freund. Eine wirklich gute Freundin.
Jetzt stehe ich fast am Ende. Kann mir noch gar nicht vorstellen, dass bald alles vorbei ist. 13 Jahre. Das ist eine lange Zeit.
Zukunft. Neuer Anfang.
Eigentlich jeder den ich kenne hat ein bisschen Angst vor dem was jetzt kommt. Wir. In der großen weiten Welt.
Früher wollte ich immer groß sein, erwachsen sein. Und jetzt muss man auf einmal Verantwortung übernehmen, muss sich Gedanken machen, planen. Was wenn ich falsche Entscheidungen treffe? Wenn ich nicht den richtigen Weg finde?
Ich weiß, dass ich mich nicht fürchten brauche. Selbst wenn ich vielleicht das falsche Studium beginne, das kann man wechseln. Wenn ich irgendwo hinziehe, wo es mir nicht gefällt, man kann wieder umziehen. Aber Angst macht es trotzdem. Es ist das erste Mal, wo man wirklich eine Wahl hat.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto schöner finde ich meine Schulzeit. Sie hat mir Sicherheit gegeben. Ich habe Erfahrungen gesammelt, tolle Freunde gefunden.

Auch wenn ich froh bin, wenn das Lernen endlich vorbei ist, wenn ich gespannt bin, wohin mich mein Leben bringt, ein bisschen fehlen wird sie mir. Meine Kindheit. Mein Erwachsenwerden. Meine Selbstfindungsphase. Meine Schulzeit.

Wie trefft ihr Entscheidungen? Wie geht euer Weg nach der Schule weiter? Was wollt ihr mal werden, wenn ihr groß seid?
Kuss,
Sarah

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